abta Jahrestagung in Baden – 23./24. Mai 2019 – Der Mensch im Mittelpunkt – trotz Digitalisierung

Unter dem Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“  fand die diesjährige Jahrestagung der abta vom 23.-24. Mai in Baden im Hotel Schloss Weikersdorf statt.

„In Zeiten der Digitalisierung und trotz allen technischen Fortschritts sollte man auf den Menschen, den Reisenden nicht vergessen und seine Bedürfnisse betrachten. Denn es ist nicht alles besser geworden durch die Digitalisierung, so wird etwa in unserer heutigen globalen Welt die Sicherheit auf Reisen in vielen Fällen nachlässig behandelt “, stellte abta Präsident Andreas Gruber in seinem Eingangsstatement fest. Gruber freute sich, den rund 70 Tagungs-Teilnehmern hochkarätige Vortragende präsentieren zu können: gleich zum Auftakt sprach Dr. Alexis von Hoensbroech, CEO Austrian Airlines über seine Einschätzung zum Airline Markt, die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen der Luftfahrt allgemein sowie des österreichischen Home Carriers im besonderen. Als starkes Trio der ÖBB Personenverkehr AG stellten Sabine Dölpl, Leiterin Vertrieb B2B mit Martin Pechatschek und Barbara Iby, Kompetenzzentrum Vertrieb B2B das neue ÖBB Business Konto vor. Hannes Schwarz, Managing Director HRS Austria referierte über die Entwicklung des Familienunternehmens HRS zur weltweiten Hotelbuchungsplattform für Geschäftsreisen und dessen Ausbau in Österreich; Martin Stamm, Director Sales A3M Mobile Personal Protection GmbH und TRISAVO GmbH schilderte die Herausforderungen und Chancen des Travel Risk Managements und Joubin Pour, Geschäftsführung Vienna Aircraft Handling GmbH präsentierte die neuen VIP Services Flughafen Wien.  Mag. Ursula Della Schiava- Winkler, Buchautorin, Unternehmensberaterin und Coach beschloss die Vortragsreihe zum Ende des ersten Tages mit ihrem spannenden Referat „Arbeit im Wandel – der Mensch im Mittelpunkt“, entsprechend dem Motto der Tagung.

Zu Beginn des zweiten Tages startete Rechtsanwalt Sascha Jung von Jank-Weiler-Operenyi Rechtsanwälte und berichtete über die Auswirkungen und Erkenntnissen ein Jahr nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung.

Beendet wurde die Tagung mit einem hochinteressanten Vortrag zum „Standort Österreich im digitalen Zeitalter“ durch NR-Abgeordnete Mag. Carmen Jeitler-Cincelli, BA und mit praktischen Tipps für die persönliche Sicherheit von Ing. Thomas Schneeweiss vom Landeskriminalamt NÖ, Abteilung Kriminalprävention.

Moderiert haben die Tagung die abta Vorstandsmitglieder Sabine Toplak (VP Sales & Distribution  Austria & Eastern Europe AccorHotels) und Roman Brauner Director Marketing & Sales Hertz).

Airline Markt in Bewegung

Alexis von Hoensbroech begann seinen Vortrag mit einer guten Nachricht für die Reisemanager: „die Luftfahrt ist und bleibt ein Wachstumsmarkt (derzeit fliegen pro Jahr 4 Milliarden Menschen), das globale Passagieraufkommen verdoppelt sich seit 1970 in etwa alle 15 Jahre, und das nicht nur wegen Low Cost, sondern vor allem wegen der Menschen, die noch nie geflogen sind – von 5 Leuten saßen 4 noch nie in einem Flugzeug“. Weniger gut sei, dass sich die Luftfahrt nur beschränkt für Investments eigne, infolge ausgeprägter Zyklen (auf und ab) und des enorm großen Kapitaleinsatzes der in dieser Branche erforderlich sei. Die fünf großen Airlines Europas von insgesamt 250 erwirtschaften mit 51 Prozent Marktanteil eine Rendite von nur 6,5 Prozent, in Nordamerika beherrschen die „Big 5“ rund 78 Prozent des Marktes und kommen immerhin auf eine Rendite von 13,2 Prozent. Eine große Herausforderung sei auch der begrenzte Luftraum. Dadurch verschlechtere sich die Pünktlichkeit, was an dem gewaltigen Wachstum in Europa aber auch zum Teil am Wetter liege. Es ergebe sich ein Problem der Slotverteilung in den immer enger werdenden Lufträumen. „Die schlechte Pünktlichkeitsrate (2018: 76 Prozent) lässt sich nicht gut verbessern, diese schwierigen Rahmenbedingen werden noch die nächsten Jahre andauern“ so Hoensbroech. Die LH Gruppe habe durch Bereitstellung von 37 Reserveflugzeugen für diesen Sommer jedenfalls vorgesorgt. Eine weitere Herausforderung sei der Klimaschutz. „Die Luftfahrtindustrie ist der einzige globale Verkehrsträger, der sich eigene Ziele gesetzt hat“, so Hoensbroech. Bis 2050 solle der CO2 Ausstoß um die Hälfte reduziert werden, dies hänge aber von der technischen Entwicklung ab. Der österreichische Markt und der Flughafen Wien weise  – im Gegensatz zu den vergleichbaren Flughäfen München und Düsseldorf eine starke Nachfragestruktur mit einem hohen Anteil an Touristen aus, überdies eine starke Saisonalität (Sommer hoch, Winter niedrig), daher schreibe man im Winter meist Verluste. Zudem komme ein hoher Anteil an Privatreisenden, die weniger bezahlen als Geschäftsreisende – dies führe dazu, dass die Preise durchschnittlich um 20 Prozent niedriger seien als in München, die Kosten aber höher. Austrian habe sich daher schwer getan, schwarze Zahlen zu schreiben. Zudem sei Österreich ein sehr zentral aufgestelltes Land, die Flugreisen-Verteilung sei viel mehr Hauptstadt-lastig als in Deutschland: 85 Prozent aller Passagiere besteigen ihr Flugzeug in Wien, nur 15 Prozent in anderen Flughäfen. Wien werde derzeit stark von Low Cost Carriern umkämpft, es gebe ein Wachstum von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die AUA erziele daher im Kontinentalgeschäft schlechtere Ergebnisse, positioniere sich aber als erfolgreicher Hub Carrier in Wien, biete attraktive Angebote, verbinde Österreich mit Europa und der Welt. Ziel sei es, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren (schlank und kostengünstig): bei Netzwerk und Flotte werde die Komplexität reduziert, das Angebot hingegen sogar erhöht. Wien solle größere Flugzeuge erhalten, als Erfolgsfaktoren nennt Hoensbroech innovative Produkte und Servicequalität. Das Segment Corporate Reisen bleibe eine zentrale Stütze der LHG, das Firmengeschäft mache ca. 40 Prozent des Umsatzes aus. Das Wachstum liege bei 7 Prozent pro Jahr, etwas unterhalb der Privatreisen (9 Prozent).

Neues ÖBB Business Konto

Sabine Dölpl, Martin Pechatschek und Barbara Iby von ÖBB Personenverkehr AG stellten das neue Business Konto vor. Dölpl nannte im Anschluss an ihren Vorredner nicht ohne Stolz ein paar Zahlen im Vergleich zur AUA : Man befördere 460 Mio Fahrgäste pro Jahr, 50 Mio Tickets werden pro Jahr ausgestellt und die Pünktlichkeit betrage aktuell 96 Prozent. Zudem habe man im Vorjahr 24.000 T Co2 eingespart, so Dölpl.

Man habe sich in den letzten 3 Jahren intensiv mit dem Geschäftsreisemarkt beschäftigt, um das Business Konto zu entwickeln. “Die physische Business Card wird im Juni 2019 durch das neue virtuelle Business Konto abgelöst. Der Business Rabatt von 20 Prozent auf Standard-Tickets bleibt aber erhalten“, so Martin Pechatschek. Es gebe ca. 8.000 Kunden mit Business Card, diese werden bis September „hinübergehoben“. In dem neuen Business Konto werde die jeweilige Firmenorganisation und Verwaltungsstruktur abgebildet, es werde mit Funktionen wie Rechnungssplit (z.B. nach Business Units, pdf-Rechnung), erweiterten Zahlungsmöglichkeiten (z.B. auf Rechnung oder mit Airplus-Karte) und Reporting ausgestattet. Zuletzt brachte Barbara Iby den Teilnehmern das neue Business Konto anhand einer Live Demo näher.

HRS – viel mehr als eine Hotelbuchungsplattform

Hannes Schwarz, seit Beginn des Jahres Managing Director von HRS Austria und seit kurzem mit neuem Büro in der Börsegasse sprach zuerst zur Firmengeschichte: gegründet 1972 von Robert Ragge als Reisebüro, hat dieser 1985 begonnen Hotels über Bildschirmtexte anzubieten. HRS ist ein reines Familienunternehmen mit Hauptsitz in Köln und wurde 2008 von Tobias Ragge übernommen. In Österreich operiert HRS als Online Reisebüro. Seit 2014 habe man sich auf den Geschäftsreise-Bereich konzentriert, der heute 86 Prozent ausmache und den 1.700 Mitarbeiter in 53 Ländern betreuen. In Österreich sei man dabei die Firma auszubauen, einstweilen mit 13 Angestellten. HRS verfüge über 22 Jahre Erfahrung im Online Bereich, habe sehr innovative Tools anzubieten, man arbeite mit den OB´s Concur, Cytric und Onesto zusammen. Zu internationalen Hotelketten unterhalte man direkte Anbindungen („direct connect“). HRS sei kleiner als booking.com oder expedia, aber für Geschäftsreisen habe man einige attraktive Angebote im Portfolio. Schwarz nennt hier 5 Tools wie etwa den Rate Protector (überprüft Raten auf ihre Korrektheit), Multisource (aufladen von anderen contents wie z.B. expedia), Best Buy (günstigste Rate wird angeboten),  Rec Engine (Präferenzen der Reisenden) sowie das Rebooking Tool (automatische Umbuchung für den Kunden wenn der Preis in der Zwischenzeit günstiger geworden ist).  Ein großes Thema sind auch die Bezahllösungen mit denen man Prozesskosten sparen und umfassende Transparenz anbieten kann, sowohl für den Reisenden als auch die Buchhaltung.

Komplett abgesichert durch Travel Risk Management

Martin Stamm, A3M Mobile Personal Protection GmbH und Trisavo GmbH referierte über das tool basierte Travel Risk Management von Trisavo.

„TRISAVO ist sowohl ein Produktanbieter als auch ein Toolanbieter, bedient international Touristikunternehmen, aber auch Business Travel Unternehmen im Bereich Reisesicherheit“, so Stamm. Trisavo biete einen weltweiten Gesundheitsservice an, ein Global Risk & Crisis Management (wie verhalte ich mich) inkl. Sicherheitstrainings sowie ein Travel Security Solutions Management, wobei die einzelnen Leistungen jeweils modular verfügbar sind. Travel Risk Management anzubieten ergab sich auf Grund der stetigen Zunahme von internationalen Geschäftsreisen, der rechtlich bestehenden Informations- und Fürsorgepflicht der Arbeitgeber gegenüber den Mitarbeitern und dem enormen Reiseanstieg der qualifizierten Fachkräfte quer durch die Welt. Herausforderungen bestünden in der Vorbereitung von Geschäftsreisen (Sicherheit, Medizin), der schnellen Beschaffung sicherheitsrelevanter Infos weltweit, der Verschaffung eines Überblicks über Standorte von Reisenden (wo befinden sich die Reisenden), dem Match von Ereignissen und Standorten, 24/7 automatisierte Unterstützung (über hotline) von Mitarbeitern auf Reisen sowie der Abrechnung mit Kostenträgern. Die Vorteile dieses Systems seien ein integriertes System für komplettes Travel Risk Management, das Zusammenspiel  von Travel Management, HR, Krisen- und Sicherheitsmanagement, von Reisesicherheit, Medizin, Sicherheit & Assistance, 24/7 Verfügbarkeit, informierte und sichere Reisende. Bei den Modulen könne man sich entscheiden für eine 24/7 Notfall Hotline inkl. einer Notfall App, ein Global Monitoring System, eine Medizinischen Assistance (z.B. ob Behandlung unserem Standard entspricht) und eine Trainingssicherheit. Das Global Monitoring System hält sowohl den Reisenden als auch das Unternehmen am laufenden, der Kunde braucht sich um nichts zu kümmern, ist abgesichert und erfüllt seine Pflichten als Arbeitgeber. An Informationsquellen dienten mehr als 500 Hilfsquellen, darunter alle großen Nachrichtenagenturen, technische Quellen, geologische Institute bei Erdbeben u.v.m.  An Hand einer Live Demo zeigte Stamm viele Beispiele dieses weltweit agierenden Anbieters.

Reisen wie ein Staatsgast

Joubin Pour, Geschäftsführer Vienna Aircraft Handling GmbH sprach über die Vorteile des VIP-Service – am neuen VIP Terminal am Flughafen Wien. Dieser verfügt über alles was ein normaler Flughafen hat wie Sicherheitskontrolle, Check-in, Gepäckaufgabe. Jeder Passagier bekommt einen eigenen Salon und einen persönlichen Assistenten, der alles für einen erledigt. „Es gibt keine Wartezeiten, keine Gehwege, man kann vom Autoaussteigen in 10 Minuten im Flugzeug sitzen“ so Pour. Der Service verspreche ein Maximum an Bequemlichkeit, Zeiteffizienz und Entspannung bis zum Abflug. Man wirbt mit Slogans wie „Reisen wie ein Staatsgast“ oder „In 80 Schritten von zuhause bis zum Flugfeld“ um den Service noch bekannter zu machen. Dabei wird betont, dass auch „Nicht-VIPs“ einen entsprechenden Service jederzeit buchen können. Angeboten wird der VIP-Service, je nach individuellen Ansprüchen, in drei unterschiedlichen  Leistungspaketen ab 280 Euro pro Person (ab 130 Euro für jede weitere Person). Genützt wird der Service zu 90 Prozent von Linienpassagieren. Angeboten wird zudem eine interessante VIP-Abholvariante: Man könne besonders geschätzte Geschäftspartner mit einer Limousine elegant direkt beim Flugzeug abholen, und ihnen so einen stilgerechten Empfang bereiten.

Der Terminal verfügt auch über attraktive Räumlichkeiten mit faszinierendem Vorfeldblick, die man für Konferenzen, Meetings und Events (ideal z.B. für Auto-Events) mieten kann.

Arbeit im Wandel – Zuversicht oder Zukunftsangst

Über den permanenten Wandel der Arbeitswelt mit dem Menschen im Mittelpunkt hielt Mag. Ursula Della Schiava-Winkler, Autorin des Buches „Arbeit anders“ einen höchst spannenden Vortrag, der alle Themen umfasste die die Menschen derzeit bewegen. „Wenn wir an Arbeitsveränderung denken,  dann vor allem an Büros, Maschinen, Computer“ so della Schiava-Winkler. Die Arbeitsveränderung beschäftige sich aber weniger mit den Menschen, mit welchen Gefühlen sie ihre Arbeit tun, was sie fordert, überfordert, was Arbeit gibt und wozu sie zwingt, das bleibe oft unsichtbar. Die Arbeitswelt werde immer bunter, wir erleben eine ständige Beschleunigung – diese Veränderungen werden oft von Technikern oder Marketinggurus genützt, um Angst zu machen.

„Ich wollte mit meinem Buch und den darin enthaltenen Untersuchungen und Analysen die Zuversicht der Menschen stärken“ so die Autorin.

Heute erlebe man in der Arbeitswelt schon Veränderungen wie Ortsunabhängigkeit, Digitalisierung (Technologieangst), Leistung versus Zeit, ein komplett anderes Generationenverhalten (die unter 30jährigen ticken anders). „Durch die Digitalisierung ändert sich die Arbeit, es wird jedoch sogar ein mehr an Beschäftigung und an Wohlstand geben, auch wenn manches ersetzt werden wird. Das wichtigste sind Innovationen, je mehr Innovationen, desto mehr an Arbeit schaffen wir uns jetzt“, so della Schiava-Winkler. Über die Untersuchungen zur Arbeitszeit sagt die Autorin: „Wir haben heute eine sinkende Arbeitszeit bei steigender Produktivität. Die bereinigte Arbeitszeit liegt derzeit bei 34,2 Stunden pro Woche. Die gesunde Arbeitszeit ab 40 beträgt 25-30 Stunden. Mehr als 30 Stunden bringen eine Minderung der kognitiven Fähigkeiten (z.B. Details fallen einem nicht ein) und mehr als 60 Stunden sind gleichzusetzen mit nicht arbeiten – beides verursacht Stress bzw. totale Überlastung“. Österreich steht an 2. Stelle in der EU bei Teilzeitjobs (29 Prozent – 1,2 Mio. Menschen), wobei der Anteil bei Frauen 47 Prozent beträgt (2017 lt. Statistik Austria), Tendenz steigend. Interessanterweise steigen auch die Teilzeitbedürfnisse bei Männern. Mittlerweile kommen hierzulande auf 100 Vollzeitstellen 38 Teilzeitjobs.

Nine to Five habe vollkommen ausgedient, es gibt künftig komplett andere Anforderungen an die Arbeitszeit.

Die Untersuchungen zum Thema Speed, Performance und Gesundheit weisen nach, dass lediglich 14 Prozent High Speed-Unternehmen sind. Im Vergleich sind Highspeed-Unternehmen deutlich erfolgreicher, sowohl auf ihre Gesamtunternehmensleistung ( + 17 Prozent) als auch auf die Mitarbeiterzufriedenheit (+17 Prozent) bezogen.

Durch den digitalen Wandel werde die Arbeitswelt in einem kontinuierlichen Prozess umgestaltet. Einige etablierte Berufsbilder werden verschwinden und neue Jobprofile entstehen. Laut „Trending Topics“ werden für 80 Prozent der Jobs künftig Kenntnisse aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik erforderlich sein. Gewinner der globalen Trends sind IT, Telekommunikation; Mobilität und Logistik.

Der Dienstleistungssektor wird massiv wachsen, es gibt jedoch zu wenig Fachkräfte. Alles was automatisiert ist, wird durch Roboter ersetzt werden (z. B. Billa Kassierin), vieles ist allerdings noch im Ausprobierstadium. „Gegen die Roboterisierung spricht die soziale Kompetenz: Lächeln, Herzlichkeit, Gefühle zeigen“ so die Autorin.

Die Analysen ergaben dass sich die Berufsbilder massiv verschieben werden: Kinder von heute werden 8 Berufe haben. Tayloristische standardisierte Prinzipien (Massenproduktion) haben ausgedient, da genügten Fleiß, Willigkeit und Disziplin. Die heute erforderlichen Kompetenzen fokussieren auf Faktoren wie Beziehung, Kooperation, Anerkennung, Feedback, Dialog. Die Fluktuation steigt weiter, der derzeitige Schnitt von 4 Jahren Verweildauer im Betrieb wird in den qualifizierten Bereichen noch weiter sinken, es ist mit einem Durchschnitt von 2 Jahren Wechselbereitschaft zu rechnen. Die Art des Lernens der Kompetenzen ist in Veränderung, es ist ständig neugieriges Lernen erforderlich, z.B. Metaskilling (Reflexionsfähigkeit). Neue Organisations- und Arbeitsformen in hierarchiefreien Teams entstehen. Die Dehierarchisierung geht einher mit Selbstorganisation von Teams und Teameffizienz. Zukunftsfähige Unternehmen strukturieren sich entlang der Kundenaufgaben und stellen die Mitarbeiter-Experience in den Mittelpunkt. Für Manager werden sich die zentralen Führungskompetenzen ändern, erforderlich werden sein: Empathie 70 Prozent, Innovation 71 Prozent, Veränderungsmanagement 68 Prozent, Datenanalyse 67 Prozent, Fähigkeit zu funktionsübergreifender und interner Vernetzung 65 Prozent.

DSGVO ein Jahr danach

Zu Beginn des zweiten Tages zog Mag. Sascha Jung von Jank-Weiler-Operenyi Rechtsanwälte Bilanz über ein Jahr seit Inkrafttreten der DSGVO und führte anhand einiger Beispiele wesentliche Entscheidungen, Straferkenntnisse der Datenschutzbehörde und höchstgerichtliche Entscheidungen an.  So wurde z.B. entschieden, dass die Entfernung des Personenbezuges („Anonymisierung“) als ein Mittel zur Löschung der Daten gelte, oder die Einwilligung in unverschlüsselte E-Mail Kommunikation unwirksam sei. Geldstrafen wurden vor allem in Fällen von Videoüberwachung verhängt, wobei die höchste Strafe – 5000 EUR ein Wettbüro „ausgefasst“ hat. Bei einer Videoüberwachung dürfen öffentliche Bereiche nicht erfasst werden, sie muss ausreichend gekennzeichnet sein, d.h. sie muss erkennbar sein, bevor man den videoüberwachten Raum betritt und die Daten sind nach 72 Stunden zu löschen. Die Statistiken ergeben folgendes Bild: von 2017 auf 2018 sind die Individualbeschwerden von 200 auf 1.000 gestiegen, die Prüfverfahren von 90 auf 120 und die Rechtsauskünfte von 2016 auf 2018 von 2000 auf 4000 angewachsen. Seit 25.5.2018 gab es von 90 Verwaltungsstrafverfahren 80 Einstellungen und es wurden 500 Meldungen von Unternehmen über Sicherheitsverletzungen gemacht. Als wichtigen Punkt führte Jung noch an, dass die Verarbeitungsverzeichnisse in regelmäßigen Abständen überarbeitet und aktualisiert werden müssen und empfiehlt hier Software-Lösungen einzusetzen. Weiters sind das Abfassen und die Aufbereitung von Betriebsvereinbarungen für den Datenschutz sehr wichtig. Auch bei den Newslettern vieler Unternehmen, insbesondere im Tourismus sieht Jung noch einigen Verbesserungsbedarf.

Personalisierung des Kundenservice

Nach einem Impulsvortrag von Nadine Goder, Customer Relation Management AccorHotels über Personalisierung des Kundenservice unter Einhaltung des Datenschutzes in der Hotellerie (z.B. Erfragen und Sammeln von Präferenzen des Gastes) gab es zur Auflockerung einen interaktiven Teil: in der Art eines „World Cafés“ konnten an drei positionierten Flip-chart-Ständen, betreut von jeweils einer Vertretung aus den Bereichen Luftfahrt, Hotellerie und Mietwagen, die Tagungsteilnehmer Kommentare zu bereits gut laufenden persönlichen Serviceangeboten des jeweiligen Bereiches abgeben aber auch diverse Verbesserungswünsche äußern. Die Resultate aus sämtlichen Bereichen werden den Teilnehmern bekanntgegeben.

Innovation – eine Wettbewerbsnotwendigkeit

  1. Abg. Mag. Carmen Jeitler-Cincelli hielt einen mitreißenden Vortrag zum Thema „Der Standort Österreich im digitalen Zeitalter“. Innovation sei der Erfolgsfaktor und sicher die Notwendigkeit im heutigen globalen Wettbewerb. „Wenn wir in dieser Zeit des rasanten Umbruchs nicht innovativ sind, bleiben wir zurück. Wir haben als Europa einen gemeinsamen Auftrag und können als kleines Österreich nicht abgeschottet bleiben. Wenn wir weiter wachsen wollen brauchen wir Kooperationen, um den Standort und damit auch unseren Wohlstand abzusichern“. Asien überhole uns und daher brauche es Einigkeit und ein Bündeln der Kräfte. So hätte sich im Ranking der höchst bewerteten Unternehmen der Welt seit 2007 enorm viel geändert – heute stünden ganz andere Player an der Spitze der Welt, Plattformen wie Google, Amazon und Facebook, diese hätten die früher führenden Unternehmen der Erdölindustrie oder des Finanzwesens verdrängt. Und sogenannte „Unicorns“, junge Unternehmen die sehr schnell wachsen sind über die Welt verteilt, wandern aus Europa und auch Österreich ab, weil hier die Kultur fehle, Unternehmertum, Kreativität und Innovation zu fördern. Laut dem Global Innovation Index liege Österreich noch immer sehr gut (unter den ersten 15), nur fehle hier der Mut zum Unternehmertum, man traue sich zu wenig zu. „Gegenüber Asien haben wir in Europa zu wenig radikale Innovationen, aber wir könnten nach unseren Werten das digitale Gewissen der Welt sein, unsere Rolle ist daher wichtig! Denn es ist nicht immer alles gut was möglich ist!“ Innovation brauche Talente und Talente brauchen Bildung. „Wir brauchen ein innovatives Bildungssystem, denn 30 Prozent der heutigen Arbeit wird bis 2030 wegfallen (aber Kinder werden immer noch gleich unterrichtet)“. Zudem leiden 75 Prozent der Unternehmen unter starken Fachkräftemangel oder besser gesagt bereits unter Arbeitskräftemangel. Der Bedarf an technologischen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten werde bis 2030 enorm steigen. „Wir müssen lernen andere Prioritäten setzen, das Bildungssystem muss radikal umgedacht werden, Wissen ist heute ja überall verfügbar, Lehrer sollten coaches sein“ so die Parlamentarierin. Wirtschaft sei in den Lehrplänen der Schulen so gut wie nicht vorhanden. Um den Fachkräftemangel abzuhelfen brauche es laut Wirtschaftskammer heute statt einer Dualen (praktischen und theoretischen) Ausbildung bei Lehrlingen eine Triale Berufsbildung, der Ausbildungsteil der Lehre solle daher um digitale Kompetenzen erweitert werden. Der Unternehmergeist in Österreich liege unter dem europäischen Durchschnitt bei 6,6 Prozent  (wir sind kein Gründerland!). Jeitler-Cincelli nennt die für Unternehmertum notwendigen Eigenschaften die „Die Glorreichen Sieben“: Das Allerwichtigste sei Mut, eine Qualität die in Österreich etwas fehlt – darunter verstehe sie nicht das Fehlen von Angst, sondern Unangenehmes zu überwinden. Man sollte auch Kinder animieren, sich Herausforderungen zu stellen. Neugier brauche es ebenfalls, um neue Dinge auszuprobieren, sie sei der Motor jeglicher Innovation. Zuversicht – man suche nicht nach Fehlern, sondern nach Lösungen, Resilienz bedeute Aufstehen und Weitermachen. Freiheit: dass man nicht alles unbedingt so machen muss wie andere Menschen. Selbstbewusstsein: sich seiner Stärken und Schwächen bewußt sein, seiner Einzigartigkeit. Achtsamkeit: Wahre Stärke liege darin, seine Schwächen zu akzeptieren.

Sie selbst habe das Motto von Apple Mitbegründer Steve Jobs übernommen: Stay hungry, stay foolish: wir sollten uns auch die Verrücktheiten behalten.

 

Gemeinsam.Sicher

Zum Abschluss gab Mag. Thomas Schneeweiss, Landeskriminalamt NÖ, Abteilung Kriminalprävention Tipps und Tricks zur persönlichen Sicherheit. Dieser kostenlose Beratungsdienst steht unter der Nummer 059133 jedermann zur Verfügung. In seinen Bereich fallen Eigentumsschutz, Suchtprävention, Gewalt, Sexueller Missbrauch und IT-Kriminalität. Schwerpunkt liegt auf dem Eigentumsschutz. Hier werde man genau beraten, welche Systeme (mechanische, elektronische) es gibt, welche im jeweiligen Fall zu empfehlen wären und welche Normen zu beachten sind. Im Bereich der Suchtgiftprävention kooperiere man mit Fachstellen für Suchtvorbeugung bei schulischen Projekten, Zielgruppe seien die 13-17 jährigen. Im Bereich Schutz vor sexuellem Missbrauch berate man in Kooperation mit der Sittengruppe besonders Lehrerinnen- und Kindergarten-Pädagoginnen in Ausbildung und versuche sie zu sensibilisieren, damit sie solche Fälle besser erkennen können. Neben den bekannten Notfallnummern 133 oder 112 (Polizei) und 144 (Rettung)  empfiehlt Schneeweiß noch die Polizei App die man kostenlos herunterladen kann, sie diene vor allem der Selbstortung (einmalige Button-Betätigung genügt), diese könne lebensrettend sein, wenn man z.B. einen Unfall in einem Wald hat, aber nicht genau angeben kann, wo man sich befindet. Bei sozialen Medien mahnt Schneeweiss zur Vorsicht beim Posten z.B. von Bildern aus dem Urlaub (Einladung für Diebe), Außerdem warnt Schneeweis auch bei Internetbanking im Ausland über WLAN –  ist nicht sicher! Auskünfte www.bundeskriminalamt.at, link Prävention.

 

Das gesellschaftliche Abendprogramm am Ende des ersten Tages führte die abta Reisemanager in den Johanneshof, Weingut Reinisch in Tattendorf, wo man bei köstlichen Schmankerln die hauseigenen herrlichen Weine, u.a. der beste St. Laurent der Welt, verkosten konnte und nebenbei auch ausgiebig Zeit zum Networken war.

Ein herzlicher Dank an die Sponsoren ÖBB, HRS, TRISAVO und AVIS.